Der Charakter dieser Sonntagstour war selbigem Tag als Ruhe- und Besinnungstag mehr als gerecht geworden: Sechs ADFCler und ein Nichtmitglied (welches auch die Führung übernahm) radelten in gemütlichem Tempo und bei mildem Wetter den gut 30 Kilometer langen und ereignisreichen Rundkurs mit Museumsbesuch ab und nahmen dementsprechend viele Eindrücke mit.

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01/10 
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Zunächst ging es über eine asphaltierte Strecke mit Bahnquerung nach Dittershausen auf den Schwalmradweg – quasi um das spätere Ziel auf einem erholsamen Umweg zu erreichen.
Wir machten eine Besichtigungs- und Trinkpause an jenem Teilstück der Schwalm-Auen, wo die Arbeiten an der Renaturierung der Schwalm im Gange sind. Die Versuche eines Teilnehmers, die Ketten des nebenstehenden Baggerfahrzeuges per Fahrradluftpumpe aufzufüllen, mussten allerdings scheitern.

Es ging dann weiter auf dem R 4 durch Allendorf/Landsburg, an dem ehemaligen Mun-Lager und Hof Weidelbach vorbei (das geschotterte Teilstück von knapp 1 Kilometer wurde kaum bemerkt) nach Ziegenhain, dort auf den Damm- und Wiesenwegen an Segelflugplatz und alter Badeanstalt entlang zum Abbiegen auf die Strecke,die (durch die Unterführung der B 454) zur Abbé-Pierre-Dentin-Allee im Ort Trutzhain führt.

Der Namensgeber dieser Allee, Abbé Pierre Dentin, war französischer Kriegsgefangener und betreute als Seelsorger die Mitgefangenen, weiter trieb er später die Aussöhnung zwischen den ehemaligen Gefangenen und den Heimatvertriebenen voran und stellte somit eine Verbindung her.

Angekommen am Vorplatz des Museums hatten wir Glück: Bei der Trinkpause dort trafen wir Frau Brandes von der Museumsleitung und einen weiteren Mitarbeiter an, die eine angemeldete Besuchergruppe erwarteten. Da wir nur sieben Personen waren, nahmen wir das Angebot von Frau Brandes an, das Museum zu besuchen – mit einem detaillierten Vortrag von ihr über die Geschichte Trutzhains als Kriegsgefangenenlager (von der Wehrmacht betrieben, nicht der SS und nicht als Konzentrationslager) und als Ansiedlung von Flüchtlingen und Heimatvertriebenen, welche die industrielle und wirtschaftliche Entwicklung massiv vorantrieben (Stichwort „Ruhrpott der Schwalm“).

Hier taten sich wieder Verbindungen auf: Ein Teilnehmer unserer Tour kannte die Trutzhainer Schreinerei Munk, die an den Aufbauarbeiten des nach dem Krieg neu zu gründenden Ortes beteiligt war. Überdies lieferte er auch die Holzteile für die Ausstattung des Museums an.

Nach dem Museumsbesuch fuhren wir weiter auf verschlungenen Gassen zur markanten Wallfahrtskirche Maria-Hilf, die, weil offen, einige von uns auch innen besichtigen konnten – ein weiterer Ort zur Besinnung. Ein Teilnehmer, wohnhaft im Ort, erklärte, dass der Baustil dieser Kirche an ebensolche Häuser im Erzgebirge erinnerte.

Bei der Vorbeifahrt am Gehege mit den Alpakas erklärte ein Teilnehmer mit Verwandten in Trutzhain, dass er bei einem Besuch an denselben Gehege ein Alpaka aus dem ungünstig ausgewählten Drahtzaungitter befreite.

Nun die Fahrt zum oberen STALAG-Friedhof II (Waldfriedhof), der noch am Steinmal mit Erinnerungstafel (dort auch Verweilpause) an die mittelalterliche Wüstung Trutzhain erinnert, vorbeiführt. Dies war die einzige erwähnenswerte Steigung. Es ging nun wieder zurück zum Haupteingang des STALAG Friedhof I („Alliiertenfriedhof” und heutiger Gemeindefriedhof), dessen Eingangsportal und Mahnmal 1942 von französischen Kriegsgefangenen errichtet wurde. An beiden Friedhöfen standen wir auch an den Tafeln und nahmen die Gelegenheit zur Besinnung wahr.

Der Teilnehmer mit den Verbindungen zu Trutzhain traf dort einen Bekannten an, dessen Vater an der Umbettung von beerdigten Gefangenen vom einem zum anderen Friedhof beteiligt war.

Die nun (wieder-)hergestellten Verbindungen zur archivierten Geschichte des Ortes ließ die Überlegung wachsen, diese „Gedenkstätten-Tour“ mit Museumsbesuch in das ADFC-Programm aufzunehmen. Frau Brandes zeigte sich erfreut über die Initiative seitens des ADFC-Ortsverbandes, eine Radtour zur Gedenkstätte Trutzhain zu planen.

Nach soviel Input von lehrreichem Material zur Besinnung nun bergab zum (gemütlichen) letzten Teil der Tour: Die B 454 gequert und dann dem Lauf der Steina entlang durch den Ort Steina. Dort verabschiedete sich bereits ein in der Nähe wohnender Teilnehmer, um das nun Erfahrene zu verarbeiten und nach Hause zu radeln.

Es ging dann auf teilweise schadhaften, aber schönen Asphaltwegen durch die Schwalmwiesen zunächst zum Ortseingang Niedergrenzebach, wo eine Trinkpause auf einem Grundstück an einem Eierautomaten angesetzt war. Der Eierautomat wird betrieben vom Gilserberger Bio-Bauer (Christian) Ende – das Stichwort, was auch bald selbiges der Tour ankündigte. Auf den Kauf von Bio-Eiern wurde aber verzichtet, denn wir radelten dann nach Ziegenhain zum Ausklang in den Biergarten des Hotels Rosengarten, wo wir uns eine satte Mahlzeit gönnten und die Tour offiziell auflösten.

Anschließend machten wir noch einen Exkurs hinein in eine „Safari“ durch die Schwalmwiesen vor Treysa mit auf Betonsockeln aufgebauten Modellen exotischer Tiere, aber das wäre Stoff für eine andere Geschichte.

Der Tourenleiter und Verfasser dieses Textes möchte sich noch einmal für die moralische und tätige Unterstützung der Teilnehmer/innen bedanken, insbesondere auch durch die produktiven und „verbindlichen“ Wortbeiträge beim Museumsbesuch.