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Schwalmberg-Tunnel statt Autobahn-Tunnel

April, April! Sicher haben Sie es gleich bemerkt. Der Beitrag über den Schwalmberg-Tunnel war ein Aprilscherz. Keinesfalls als Scherz gedacht sind die Pläne, den Autobahnabschnitt Bischhausen-Treysa zu beginnen, obwohl weder die Finanzierung noch die für die Fertigstellung notwendigen politischen Mehrheiten auf Dauer sicher sind. Und die Probleme, die ein Autobahnende bei Frankenhain für die Einwohner der Schwalmstädter Kommunen, Neustadt und andere Orte in der Region bringen würde, kommen noch dazu. Da ist die Frage, ob die Idee mit dem Schwalmberg-Tunnel nicht doch die bessere Variante wäre ;-)

Schwalmstadt. Spektakuläre Wende beim geplanten Neubau der A 49: Aufgrund außerordentlich steigender Kosten soll der geplante Tunnelbau bei Frankenhain gestoppt werden. Schwalmstadts Bürgermeister Dr. Näser reagierte schnell und will die bereits vor Ort befindliche Tunnelbohrmaschine nutzen, um einen Fahrradtunnel durch den Schwalmberg zu treiben.

Tunnelbohrmaschine

Die Tunnelbohrmaschine in Frankenhain – hier bei einem früheren Einsatz an der A 5 in Biel – soll am Schwalmberg zum Einsatz kommen

Hintergrund der überraschenden Entwicklung ist ein Gutachten des hessischen Landesrechnungshofes. Die darin angestellten Berechnungen ließen befürchten, dass – ähnlich wie bei anderen Großprojekten wie dem Flughafen Berlin Brandenburg und dem Stuttgarter Tiefbahnhof Stuttgart 21 – die Kosten für den Tunnelbau bei Frankenhain von ursprünglich geplanten 50 Millionen Euro auf voraussichtlich 350 Millionen Euro klettern würden. „Bei der Planung sei nicht absehbar gewesen, dass der Untergrund aus weicher und wasserlöslicher Kreide bestehe“, so Dr. Schmidt vom Landesrechnungshof: „Die Kreide sei Überbleibsel eines Urzeitmeers, das während des so genannten Mesozoikums, des Erdmittelalters, vor etwa 145 Millionen Jahren die heutige Schwalm überflutet habe.“ Das mache zusätzliche Armierungen in der Betonröhre nötig. Bei einer Sonarmessung sei südöstlich des Teufelsbergs sogar eine Tropfsteinhöhle entdeckt worden – eine geologische Sensation. Die einsatzbereiten Gerätschaften zum Tunnelbau sollten abgezogen werden.

Dr. Näser bei der Pedelec-Infoveranstaltung des ADFC Schwalmstadt

Dr. Näser stieß mit seiner Idee auf breite Zustimmung bei den Schwalmstädter Fraktionen

Damit wollte sich Schwalmstadts Bürgermeister Dr. Näser nicht zufriedengeben. Die für den geplatzten Tunnelbau frei werdenden Mittel wolle er in eine visionäre Infrastrukturmaßnahme vor Ort stecken. „Da die Maschinen nun schon einmal vor Ort sind, sollten sie sinnvoll genutzt werden. Wir werden den seit etlichen Generationen von der Schwälmer Bevölkerung herbeigesehnten Tunnel für Radfahrer unterhalb des Schwalmbergs vom Treysaer Zimmerplatz zum Garten des Rommerhäuser Schlosses realisieren“, so das Schwälmer Stadtoberhaupt, selbst passionierter Radfahrer. Die Arbeiten sollen im Sommer beginnen und im Herbst 2014 abgeschlossen sein. Der Schwalmberg als ehemaliger Vulkan bestehe aus Granit und verfüge so über die nötige Stabilität.

Inspiriert sei er vom überwältigenden Erfolg des Milseburgtunnels auf dem Radweg von Fulda nach Hilders beziehungsweise Tann, der bundesweit Radfahrer in großen Massen anlocke. „Der zu erwartende Radtourismus wird letztlich mehr Gelder in die Region spülen, als es eine Autobahn je vermocht hätte. Letzlich wäre aufgrund der schnellen Fahrt über die Autobahn mehr Kaufkraft in die Oberzentren Kassel und Marburg abgeflossen als mögliche, aber unsichere Gewerbeansiedlungen Schwalmstadt je eingebracht hätten.“ Werde der Tunnel ein Erfolg, sei dies auch ein Modell für andere Regionen, etwa die Altenburg westlich von Bad Zwesten.

Bei der Realisierung hätten ihm seine guten Kontakte zum CDU-Parteifreund Peter Ramsauer geholfen, derzeit Bundesverkehrsminister in Berlin. Mit seiner Idee traf Dr. Näser auch auf breite Zustimmung innerhalb der Schwalmstädter Fraktionen, insbesondere der Liste Bündnis 90/DIE GRÜNEN. Stadtrat Dr. Jochen Riege zu den Plänen: „Hier gehen wirtschaftliche Entwicklung und ökologischer Verstand Hand in Hand – das muss die Perspektive für zukünftige nachhaltige Politik in der Schwälmer Metropole sein“. Einzig Radverkehrsbeauftragter Ulrich Wüstenhagen ist skeptisch: „Die Mittel fließen wie gehabt in den Tourismus und nicht in die Förderung des Alltagsradverkehrs.“ Das sei der verkehrspolitisch falsche Weg.

Milseburgtunnel

Löste den Tourismusboom in der Rhön aus und ist zudem Rückzugsmöglichkeit für seltene Fledermäuse: Der Milseburgtunnel

Ein positiver ökologischer Nebeneffekt würde sich durch die Eignung des Tunnels als Überwinterungsquartier für die in der Schwalm endemische Schnallenschuh-Fledermaus ergeben. Sie kommt nur in der Schwalm vor und wird bundesweit auf der Roten Liste gefährdeter Tierarten geführt.

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